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Bergkiefer
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Die Bergkiefer (Pinus mugo) ist eine vielgestaltige Pflanzenart aus der Gattung der Kiefern (Pinus) innerhalb der Familie der KieferngewÀchse (Pinaceae).

Contents

‱ Systematik
‱ Taxonomie
‱ Unterarten
‱ Holz
‱ Verwendung
‱ Quellen
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Beschreibung und PhÀnologie

Vegetative Merkmale

Die Bergkiefer wĂ€chst als immergrĂŒne verholzende Pflanze. Die paarweise an den Kurztrieben stehenden Nadeln sind dunkelgrĂŒn, spitz und bis zu 5 Zentimeter lang. Ihre Lebensdauer betrĂ€gt 5 bis 10 Jahre.

Generative Merkmale

Die Bergkiefer ist einhÀusig getrenntgeschlechtig (monözisch), es kommen somit mÀnnliche und weibliche Zapfen auf einem Individuum vor. Die Pollen werden am Grund junger Langtriebe gebildet, anstelle von beblÀtterten Kurztrieben in den Achseln von SchuppenblÀttern.

Die Samenanlagen sitzen offen auf schuppenförmigen FruchtblĂ€ttern, sind also nicht in einem Fruchtknoten eingeschlossen (Nacktsamer). Die harten und eiförmigen weiblichen Zapfen werden nahe dem Ende junger Langtriebe angesetzt. Die weiblichen Zapfen sind kaum lĂ€nger als 10 Millimeter, sind blass-rosafarben bis rot und wachsen bis zum ersten Herbst kaum. Im zweiten Jahr wachsen sie und reifen; dann geben sie die geflĂŒgelten Samen frei. Diese sind 4 bis 5 Millimeter groß.

Die Samenzapfen sind symmetrisch; die Spirke hat asymmetrische Zapfen. Der Zapfenstiel (sofern vorhanden) ist zentrisch und gerade, d. h. in der Zapfenachse liegend. Der Schild der Samenschuppen ist meist flach, selten etwas aufgewölbt bis kegelig. Die Zapfen sind 3 und 7 Zentimeter lang. Sind die Zapfen geöffnet, erreichen sie einen Durchmesser von 2 bis 5 Zentimetern. Auf die BlĂŒtezeit wĂ€hrend der Sommermonate Juni und Juli folgt die Samenreife im Oktober. Die Entwicklung der FrĂŒchte erfolgt ĂŒber einen Zeitraum von drei Jahren.

Systematik

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Pinus mugo erfolgte 1764 durch Antonio Turra in Giornale d'Italia spettante alla scienza naturale, e principalmente all'agricoltura, alle arti, ed al commercio Band 1, S. 152. Synonyme fĂŒr Pinus mugo Turra sind Pinus montana Mill., Pinus mughus Scop.cite-ref-euro-med-1-0[1]

Unterarten

Die Bergkiefer kommt in mindestens drei Unterarten und weiteren Zwischenformen vor, die sich insbesondere in ihrer Gestalt und ihrem Vorkommen deutlich unterscheiden. Alle drei Unterarten der Bergkiefer haben die Chromosomenzahl 2n = 24.cite-ref-oberdorfer2001-2-0[2] Bei anderen Autoren haben sie den Rang von Arten.cite-ref-gymnospermdatabase-3-0[3]

Die Unterarten bilden Bastarde: sie sind also hybridogen verbunden, und es gibt eine Reihe von Zwischensippen.

Pinus mugo subsp. mugo (Latsche, Legföhre, KrĂŒppelkiefer)

Pinus mugo Turra subsp. mugo, auch Latsche, Latschenkiefer, Bergföhre, Legföhre, Legkiefer, Zunter, Krummholzkiefer oder KrĂŒppelkiefer genannt: Diese Unterart wĂ€chst meist strauchartig und erreicht Wuchshöhen von 1 bis 3 Metern. Sie ist gekennzeichnet durch ihren krummen Wuchs mit niederliegenden bis bogig aufsteigenden StĂ€mmen und Ästen; diese bilden oft ein undurchdringliches Gewirr („Latschenfilz“ oder „Latschenfeld“). Der Stamm der Latsche ist lang, liegt aber am Boden und ist kaum erkennbar.cite-ref-floraweb-pinusmugosstr-4-0[4]

Die Hauptvorkommen der Latschenkiefer liegen in den Alpen, dem Erzgebirge, den Karpaten, sowie dem nördlichen Apennin und den Gebirgen der Balkanhalbinsel (Balkangebirge, Dinariden, Pirin, Rhodopen) in Höhenlagen von 1000 bis 2700 Metern. In Österreich ist sie bis auf Wien und Burgenland in allen BundeslĂ€ndern hĂ€ufig vertreten.

Die Latschenkiefer wĂ€chst vor allem in der subalpinen Krummholzzone ozeanischer Hochgebirge und ist dort mit Alpenrosen vergesellschaftet. DarĂŒber hinaus besiedelt sie mĂ€ĂŸig trockene, felsige, sehr nasse, kalte oder von zerstörerischen Schneebewegungen (Lawinen) geprĂ€gte Standorte. Latschen können wie GrĂŒnerlen selbst HĂ€nge besiedeln, auf denen hĂ€ufig Lawinen abgehen, die sĂ€mtliche andere Baumarten restlos zerstören. Von fĂŒr das Baumwachstum gĂŒnstigeren Standorten wird die Latsche von anspruchsvolleren und dort konkurrenzkrĂ€ftigeren Klimaxbaumarten, wie etwa der Rotbuche, verdrĂ€ngt, sofern die natĂŒrlichen KonkurrenzverhĂ€ltnisse nicht durch Wildverbiss, Weidevieh, Alm- und Forstwirtschaft oder sonstige menschliche AktivitĂ€ten verzerrt werden. Als Ziergehölz wird sie hĂ€ufig in GĂ€rten gepflanzt, wo sie in menschlicher Obhut vor Konkurrenzbaumarten (v. a. Lichtkonkurrenz) geschĂŒtzt besser gedeiht als in ihrem natĂŒrlichen Lebensraum.

Pinus mugo subsp. uncinata (Spirke, Hakenkiefer, Aufrechte Bergkiefer)

Pinus mugo subsp. uncinata (DC.) Domin, auch Spirke, Hakenkiefer oder Aufrechte Bergkiefer genannt. Von manchen Botanikern wird sie als eine eigene Art Pinus uncinata DC. angesehen.cite-ref-euro-med-1-1[1] Die Spirke wÀchst baumförmig und erreicht Wuchshöhen bis zu 25 Metern.cite-ref-floraweb-pinusuncinata-5-0[5]

Die Hakenkiefer kommt in den PyrenĂ€en, dem französischen Zentralmassiv, dem Schweizer Jura, den West- und Schweizer Zentralalpen sowie den Nordalpen (z. B. im Wimbachtal, Friedergries und am Fernpass als grĂ¶ĂŸter Spirkenwald Österreichs) vor. Im Jura besiedelt sie Höhenlagen von 500 bis 1700 Metern und im Wallis von 900 bis 2300 Metern. Die Spirke bildet teilweise ausgedehnte ReinbestĂ€nde, wĂ€chst insbesondere in den unteren Lagen aber auch vergesellschaftet mit LĂ€rche, Arve und Waldkiefer.

Pinus mugo subsp. rotundata (Moorspirke)

Pinus mugo (Link) Janch. & H.Neumayer subsp. rotundata, auch Moor-Bergkiefer oder Moor-Spirke genannt, steht im Habitus zwischen der Latsche und der Spirke. Je nach Standort Ă€hnelt sie mit niederliegend-aufstrebenden Ästen ohne erkennbaren Hauptstamm der Leg-Föhre oder als aufrechter, oft mehrstĂ€mmiger Baum von 8 bis 10 Metern Wuchshöhe der Haken-Kiefer.cite-ref-floraweb-pinusrotundata-6-0[6]

Sie kommt in den Vogesen, im Schwarzwald, dem Alpenvorland, dem Bayerischen Wald, SĂŒdböhmen, dem Fichtel- und Erzgebirge sowie in der Lausitz vor. Die Moor-Spirke ist ein Gehölz der montanen Stufe und wĂ€chst vorwiegend in Höhen zwischen 800 und 1200 Metern. In den AllgĂ€uer Alpen steigt sie auf dem Windecksattel am Gottesacker in eine Höhenlage von bis zu 1750 Metern auf.cite-ref-d-rr-lippert2001-7-0[7]

Ökologie

Lange Schneebedeckung begĂŒnstigt den Parasitenbefall durch den Pilz Herpotrichia juniperi (Schwarzer Weberpilz, Schwarzer Schneeschimmel). Sein Myzel findet in den feuchtkĂŒhlen HohlrĂ€umen, welche die im Schnee steckenden nadelbesetzten Latschenzweige umgeben, gute Wachstumsbedingungen. Der Pilz dringt mit den Hyphen in die Nadeln ein und bringt diese zum Absterben. Das umhĂŒllende schwarzbraune Myzelgespinst verbleibt lange an den Ästen.cite-ref-herpotrichia-juniperi-8-0[8]

Die elastischen Äste sind dem winterlichen Schneedruck der Hochlagen angepasst.

Holz

Das Holz der Latsche ist hart und schwer spaltbar, d. h., es weist eine gute Querfestigkeit auf und ist wenig elastisch. Aufgrund seines Harzgehaltes verströmt es Harzgeruch. Es hat einen rötlichen Kern, der unter Lichteinfluss nachdunkelt sowie einen Splint, der 2 bis 4 Zentimeter breit und gelblich-weiß ist. Weiter typisch sind die seifige OberflĂ€che und relativ große Äste von dunkelbrauner Farbe.

Verwendung

Die Verwendung des Holzes ist Ă€hnlich wie bei der Waldkiefer. Da die StĂ€mme und Äste nicht sehr dick werden, sind sie allenfalls als Drechsler- und Schnitzholz verwertbar sowie fĂŒr einfache Möbel, als Hobelware im Innen- und Außenbau und im Fensterbau. Frisch geschnitten ist der Splint allerdings sehr anfĂ€llig auf BlĂ€uepilze.

Aus frischen Nadeln, Zweigspitzen und Ästen gewinnt man Latschenkiefernöl fĂŒr kosmetische Produkte. In der Brennerei wird das Öl mittels Wasserdampfdestillation gewonnen. Als fertiges Latschenkiefernöl kann es naturrein abgefĂŒllt und zum Verkauf angeboten werden. Es dient zur Ă€ußerlichen sowie innerlichen Anwendung bei Katarrhen der oberen und unteren Atemwege. In medizinischen BĂ€dern wird es zur unterstĂŒtzenden Behandlung bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises im nichtakuten Stadium eingesetzt.

Auslesesorten

Es wurden einige Sorten ausgelesen (Auswahl):

‱ Pinus mugo (Bergföhre) – breit kegelförmiger Wuchs, 4 bis 5 m hoch, vielseitig verwendbar, auch fĂŒr Sichtschutz
‱ Pinus mugo ‘Alpenzwerg’ – kegelförmiger, kompakter, langsamer Wuchs, bis 1,5 m hoch, fĂŒr Tröge und kleine GĂ€rten
‱ Pinus mugo ‘Carsten’ – kompakt, bis 3 m hoch und bis 6 m breit, Nadeln sind gelb bis hellgrĂŒn
‱ Pinus mugo ‘Gnom’ – dichtverzweigte, aufrecht und langsam wachsende Form, bis 3 m hoch und bis 2 m breit, Nadeln dicht gedrĂ€ngt, dunkelgrĂŒn
‱ Pinus mugo ‘Henry’ – ausgesprochen zwergiger und langsamer Wuchs, dicht und kugelig, bis 40 Zentimeter hoch und 50 Zentimeter breit, sehr kurze AbstĂ€nde zwischen den Verzweigungen, Jahreszuwachs nur 1 bis 3 Zentimeter, fĂŒr kleinste RaumverhĂ€ltnisse
‱ Pinus mugo ‘Humpy’ – breit kissenförmiger, dichter Wuchs, bis 30 Zentimeter hoch und 100 Zentimeter breit, sehr kurze, dicht gedrĂ€ngte, grau-grĂŒne Nadeln, fĂŒr kleine RaumverhĂ€ltnisse
‱ Pinus mugo ‘Mops’ – kugeliger Wuchs, bis 1,5 m hoch, langsam wachsend, Nadeln sind dunkelgrĂŒn, fĂŒr Tröge gut geeignet,
‱ Pinus mugo ‘Mini Mops’ – Zwergform, flach, bis 50 Zentimeter hoch und bis 1 m breit, sehr langsam wachsend
‱ Pinus mugo mughus (Legföhre) – weniger stark, aber breiter wachsend als Pinus mugo, 2 bis 3 m hoch und breit, zur Abdeckung und als niedriger Sichtschutz
‱ Pinus mugo pumilio (Kriechföhre) – dichter und langsamer Wuchs, zudem breit und niederliegend, bis 80 Zentimeter hoch und 150 Zentimeter breit, fĂŒr kleine RĂ€ume
‱ Pinus mugo ‘Wintergold’ – breiter buschiger Wuchs, bis 80 Zentimeter hoch und 120 Zentimeter breit, Nadeln im Sommer leicht gelb und im Winter schön goldgelb.

Quellen

‱ Christopher J. Earle, 2017: Beschreibung und Systematik Pinus mugo s. str. bei The Gymnosperm Database. (englisch)

Literatur

‱ Christopher J. Earle, 2017: Beschreibung und Systematik Pinus mugo s. str. bei The Gymnosperm Database. (englisch)
‱ Johanna Graßmann, Renate Spitzenberger, Susanne Hippeli, Renate Vollmann, Erich F. Elstner: Ätherische Öle aus der Latschenkiefer. In: Naturwissenschaftliche Rundschau, Band 55, Nr. 3, 2005, ISSN 0028-1050, S. 127–133.
‱ Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
‱ Ulrich Hecker: BĂ€ume und StrĂ€ucher. 2. Auflage, blv, MĂŒnchen 2012, ISBN 978-3-8354-0941-5.

Weblinks

Commons

: Bergkiefer (

Pinus mugo

)

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Pinus mugo in der Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Conifer Specialist Group, 1998. Abgerufen am 9. Mai 2006.
‱ Pinus mugo subsp. mugo. auf FloraWeb.de
‱ Pinus mugo agg., Berg-Kiefer (Artengruppe). auf FloraWeb.de
‱ Bergkiefer. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
‱ Steckbrief und Verbreitungskarte fĂŒr Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
‱ Pinus mugo Turra s. l. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora.
‱ Thomas Meyer: Datenblatt mit BestimmungsschlĂŒssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Einzelnachweise

cite-note-euro-med-11. ↑ Eckhard von Raab-Straube, 2014: Gymnospermae. Datenblatt Pinus In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
cite-note-oberdorfer2001-22. ↑ Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora fĂŒr Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo MĂŒller. 8., stark ĂŒberarbeitete und ergĂ€nzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 94–95.
cite-note-gymnospermdatabase-33. ↑ Christopher J. Earle, 2017: Beschreibung und Systematik Pinus mugo s. str. bei The Gymnosperm Database. (englisch)
cite-note-floraweb-pinusmugosstr-44. ↑ Pinus mugo Turra s. str., Krummholz-Kiefer. auf FloraWeb.de
cite-note-floraweb-pinusuncinata-55. ↑ Pinus uncinata DC. s. str., Haken-Kiefer. auf FloraWeb.de
cite-note-floraweb-pinusrotundata-66. ↑ Pinus rotundata Link, Moor-Kiefer. auf FloraWeb.de
cite-note-d-rr-lippert2001-77. ↑ Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des AllgĂ€us und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 109.
cite-note-herpotrichia-juniperi-88. ↑ Georg Eberle: Alpenpflanzen, die im Regenschutz wachsen. In: Jahrbuch des Vereins zum Schutze der Alpenpflanzen und -tiere. Band 37_1972. Wetzlar 1972, S. 184 (zobodat.at [PDF; abgerufen am 7. September 2025]).